17.08.2013 Ironman Schweden Kalmar

Nach einer Ferienwoche, reiste ich am Montag 12. August nach Kalmar. Der Flug führte über Stockholm. In Stockholm angekommen, wartete ich auf den Fahradkoffer. Denn diesen konnte ich nicht bis Kalmar verfrachten, weil das Flugzeug von Stockholm nach Kalmar eines der kleinen Sorte war und begrenzter Platz für Gepäck bestand. Es kam nichts beim Fahrradrollband. Ich und eine weitere Schweizer Athletin warteten auf ihr wichtiges Fortbewegungsmittel für den Ironman Schweden. Plötzlich ruft mir jemand zu, dass ein roter Fahrradkoffer beim normalen Gepäck ausgeliefert wurde. Mit einem Lächeln ging ich zum Check-in, musste mich aber beeilen, da nur noch wenig Zeit bis zum Abflug war. Ich wartete an einem Schalter, dort wurde mir gesagt, dass ich beim falschen Terminal bin. Mit dem Gepäck rannte ich durch den Flughafen und konnte 45min vor dem Abflug noch einchecken. In Kalmar angekommen, war die Freude gross, da mein Radkoffer als erstes auf dem Rollband ankam. Die Temperatur und Stimmung in Kalmar empfand ich gut und mit dem Taxi ging es zum Hotel und dann zum Nachtessen.

Nach dem Nachtessen erkundete ich noch ein bisschen die schöne Stadt. Die Radständer und die Zelte von der Expo waren schon aufgestellt, so war schon etwas vom Triathlon Feeling zu spüren.

In den ersten zwei Nächten war ich der einzige Gast im Hotel. Das war ein bisschen komisch. Die erste Nacht konnte ich gut schlafen.
Am nächsten Morgen ging ich im baltischen Meer schwimmen. Das Wasser war ziemlich trüb, aber angenehm warm. Die Boijen waren teilweise schon platziert.

Das Essen hatte ich mir in der Gemeinschaftsküche des Hotels zubereitet, was ganz praktisch war. Am Nachmittag ging es auf das Rad und ich fuhr einen Teil der Festlandrunde ab. Zwischendurch war schon heftiger Wind, konnte mich aber gut daran gewöhnen.
Mittwochs lief ich auf dem Laufkurs noch einen progressiven Lauf. Die Strecke war schön mit Pfeilen ausgeschildert. Vorbei am Meer auf schönen Wegen, ging es durch schöne Pärke und durch Wohngebiete. Den Stadtteilkurs bin ich später noch abgelaufen. Am Abend traf ich noch einen Athleten aus der Schweiz, welcher schon mehrmals in Kalmar am Start war, und wir konnten uns beim Abendessen unterhalten.
Nachfolgend noch ein paar Bilder von der Laufstrecke.

Am Donnerstag und Freitag stand noch ein kurzer Lauf und Schwimmeinheit auf dem Programm, welche im lockeren Bereich waren.
Der Donnerstag war mein grosser Esstag. Ich hatte mir an diesem Tag ca. 650g Kohlenhydrate angefuttert. Aufgeteilt in mehrere Mahlzeiten.
Am Abend ging es noch an die Wettkampfbesprechung, wo ich trotz schlechten Englischkenntnissen (fast) alles verstanden habe.

Am Rennvortag (Freitag) waren es rund 400g Kohlenhydrate.
Das Bikecheck-in verlief gut und musste nur kurz anstehen.
Ich markierte den Standort des Fahrrades und auch die Wechselbeutel.

Am Abend packte ich alle Wettkampfutensilien und checkte noch einmal den Zeitplan.
Etwa um 22:00 Uhr ging es in die Federn. Ich konnte nicht einschlafen und war um 2:00 immer noch wach.
Um 4:00 Uhr klingelte der Wecker und ich fühlte mich trotz wenig Schlaf sehr frisch.
Nach dem Frühstück ging ich zu Fuss zur Wechselzone. Ich hatte dort genug Zeit um alles einzurichten.

Eine Stunde vor dem Start hatte ich alles bereit und ging ans Meer und genoss dort die Ruhe.
Nach einem kurzen Aufwärmprogramm ging es an den Start.
Eine Viertelstunde vor dem Start musste man im Wasser sein.
Fünf Minuten vor den Altersklassenathleten wurden die Profis auf ihre Reise geschickt.
Der Startbereich war in verschiedene Sektoren eingeteilt, je nach geplanter Schwimmzeit.
Jetzt ging es endlich los. Auf den ersten Metern bis zur ersten Boje war nicht viel mit Schwimmen, es war mehr ein Selbstverteidigungskurs.
Wenn knapp 2000 Athleten alle in die gleiche Richtung wollen, ist dies nicht auszuschliessen. Auch mein Freund, der schon an fast 40 Langdistanzen teilgenommen hat, sagte das er dies noch nie erlebt hatte.

Kurz vor dem Ende der ersten Runde ging es am Ufer entlang, zwischen den Zuschauern, welche zwischen den Stegen standen.
Dort wurde es nochmal ziemlich eng und teilweise kam man mit den Armen fast bis auf den Boden.

Nach etwa 30min hatte ich das Gefühl, dass ich endlich einen Rhythmus gefunden habe.
Da war gerade die erste Runde knapp absolviert, zweite Runde war aber noch einmal so lang
und dann schwimmt man noch zur Wechselzone. Es sah also nicht nach einer schnellen Schwimmzeit aus.
Die Wellen wurden eher noch stärker. Inzwischen war aber mehr Platz da.

Nach 1 Stunde 20 Minuten und 28 Sekunden konnte ich das Wasser verlassen.
Mit dieser Zeit war ich rund 16min langsamer als letztes Jahr beim Ironman Frankfurt.
In meiner Kategorie war ich somit auf dem 143. Rang und im Overallklassement auf dem 854. Rang.
Meinen Wechselbeutel konnte ich schnell finden. Im Wechselzelt war überfüllt mit Athleten.
Den Neopren konnte ich schnell abziehen und mit meinem vorbereiteten Wechsel des Helm/Brille und der Startnummer
konnte ich auch dieses schnell anziehen. Mit der 61. Wechselzeit Overall konnte ich schon viele in der Wechselzone überholen.

Dann ging es auf das Rad, wo beim Ausgang viele Zuschauer Stimmung machten.

Die Strecke führte schon bald über die sechs Kilometer lange Ölandbrücke. Ich startete in den ersten 20min im lockeren Bereich.
Während der Vorbereitung konnte ich mich gewaltig steigern. Im Frühling war eine 36er Pace noch harte Arbeit, wo ich ziemlich aus der Puste kam.
Bis hin zum Ironman wechselte dieses Tempo in den lockeren / leicht-harten Bereich.
Trotz des verhaltenen Start, wo ich mich nach dem SRM-Leistungsmesser richtete, konnte ich auf der Brücke viele Athleten überholen.
Der Wind war schon recht heftig. Teilweise konnte man nicht in Aeroposition fahren. Vom Veranstalter wurde sogar von einem
Scheibenrad oder von Hochprofilfelgen abgeraten.
Die Wettkampfrichter hatten ihre Aufgabe gut im Griff. Es wurde in schönem Abstand zum Vordermann gefahren.
Nach der Brücke fuhr man rund 25km direkt gegen den Wind. Ich konnte dort meine geplanten Wattwerte fahren.
Einmal war der Strassenbelag etwas komisch und ich hatte das Gefühl, dass mein Hinterrad Luft verliert.
Es stellte sich aber raus, glücklicherweise, das nichts passiert ist.

Nach einer kurzen Seitenwindpassage, wo man Fahrrad auch gut lief, folgte der schönste Teil der Strecke,
die Rückwindpassage.
Eine halbe Stunde lang konnte ich mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 44km/h fahren.
Dies machte mächtig Spass. Vor allem dort lief man Fahrrad extrem gut. Die Wattzahlen blieben in meinem
Bereich, kam mir aber vor wie ein Motorradfahrer.
Nach der Rückenwindpassage war der kräftigste Gegenwindabschnitt unser Begleiter.
Die Strasse führte wieder in die Strecke, die wir schon beim Hinweg gefahren waren.
Diesmal aber mit herrlichem Rückenwind.
Nach der Brückenpassage, welche gut ging, aber wegen Seitenwind noch einmal volle Konzentration forderte, war bei der Wechselzone ein Wendepunkt, wo es auf die zweite Runde auf dem Festland ging.

Wie man auf den Bildern sieht, hatte es hier viele Zuschauer.
Ich merkte wie ich etwas müder wurde, dies sah ich auch bei den Wattzahlen und ich bin dann ein bisschen ruhiger gefahren.
Nach ca. 130 Kilometer kam mir die Spitze entgegen, welche noch etwa 10km zu fahren hatte.
Der Abschnitt hatte noch einige leichte Wellen dabei, was noch für Abwechslung sorgte und wo man auch einmal in den Wiegentritt gehen konnte.
Nach dem Wendepunkt fühlte ich mich wieder besser und die leichten Magenschmerzen waren wieder vorbei.
Ich tankte nochmals Kraft und die Fahrt ging mit Gegenwind zurück nach Kalmar. Auf den letzten 10 Kilometer war ich dann in einer kleinen
3er Gruppe, welche mit schönem Abstand dem Radziel entgegen fuhr. Kurz vor Kalmar hatte ich mich noch versteuert, da ich nur den Streckenposten gesehen habe,
welcher die Fahrer leitet, welche auf der ersten Runde waren.

Auf dem Rad konnte ich die ganze Länge in Aeroposition fahren und muskulär hatte ich keine Probleme.
Nach knapp 6.5 Stunden Wettkampfdauer und einer Fahrradzeit von 5:03,20 konnte ich die 181.6km mit einem
36er Schnitt beenden. Auf dem Fahrrad konnte ich mich mit der 92. schnellsten Zeit im Overallklassement um 685 Plätze verbessern und war nun
auf dem 169 Rang. In der Kategorie konnte ich mich um 108 Plätze verbessern und war nun auf dem 35. Zwischenrang.
In der Wechselzone musste ich kurz auf die Toilette, konnte aber bis auf das Helm in den Beutel packen schnell wechseln (war zu eng zugeschnürt).

Ich hatte mir vorgenommen die ersten 2-3 Kilometer langsamer als die Zielpace zu laufen. Dies gelang mir gut.
Der erste Teil der Strecke führte am Meer entlang durch Parks und später durch Wohnquartiere.
Und immer wieder, tolle Zuschauer am Streckenrand.
Gegen Ende der Runde ging es durch den schönen Stadtteil von Kalmar.
Auf beiden Strassen/Gassenseiten waren viele Zuschauer und es war eine tolle Stimmung.
Zum ersten Mal ging es am Zielkanal vorbei auf die zweite von drei Runden.
Auf der ersten Runde hatte man schön Platz zum Laufen und es machte Spass.

Ca. bei Halbmarathon merkte ich Bauch/Magenschmerzen. Mein Schritt wurde langsamer und ich merkte wie die Atmung viel schwerer wurde.
Ich ging schnell auf' das Toilettenhäuschen.
Als erstes gönnte ich meinem magen etwas Ruhe und nahm eine halbe Stunde keine Kohlenhydrate auf. Und dachte nach, was ich weiteres machen könnte.
Da entschloss ich mich nur noch Coca-Cola zu trinken, was gut half. Ich konnte das Tempo wieder leicht steigern und die Magenschmerzen gingen weg.

In der dritten Runde waren wieder mehr Athleten auf der Strecke. Dort musste ich bei absperrten Abschnitten mehrmals etwas eng überholen.
Am Streckenrand war noch die letztjährige hübsche Siegerin Åsa Lundström. Ich rufte ihr zu und sie rufte mir etwas schönes nach.
Die Beine waren gegen Ende des Marathon's ein bisschen schwerer geworden, liefen aber noch gut. Vom Gefühl her war es meine geplante Zielpace, doch es war langsamer.
Aber egal die letzten Kilometer machten nochmal Spass. Auf dem letzten Abschnitt versuchte ich nochmal alle Reserven zu mobilisieren. Etwa 1km vor dem Ziel merkte ich zum ersten Mal, beim Lauf, etwas muskuläres, glücklicherweise nur für ein paar Sekunden.

Auf der letzten Gerade konnte ich den Zieleinlauf geniessen und konnte mit 9:51,18 eine neue persönliche Bestzeit erzielen.
Mit der 65. schnellsten Marathonzeit des Tages, 3:22,0,7 konnte ich mich im Overallklassement um die Hälfte verbessern auf den hervorragenden 83. Rang (1606 Finisher).
In der Kategorienwertung konnte ich auch mehr als die Hälfte noch überholen und kam vom 35. auf den 15. Schlussrang (235 Finisher).

Die Rangliste findet man hier: http://www.ironman.com/triathlon/events/emea/ironman/kalmar/results.aspx#axzz2ccimd3Hz
Habe die Startnummer 719 und bin in der Kategorie M30-34
Oder auch hier:
http://ironmankalmar.com/files/2013/08/IRONMAN_KALMAR_2013.pdf

Ein toller Wettkampf, mit vielen Tiefen und Höhen. Von, es geht nicht mehr weiter, bis dieser Augenblick soll nie zu Ende gehen.
Ein Tag mit vielen Herausforderungen und von den vielen Helfern und Zuschauern wurden alle Athleten sehr verwöhnt.
Was man an einem solchen Tag und in der Vorbereitung erleben kann ist einfach toll.

Besten Dank an alle, die mich auf dem Weg unterstützt haben, unter anderem:

Fabian Wihler Trainingspläne
Triteam Zugerland
Eroxswiss Material

Am Abend war die Stimmung nochmals toll, als die letzten Finisher in Ziel kamen.
Die Gasse war auf beiden Seiten mit mehreren Reihen Zuschauer gefüllt und es gab nochmals Hühnerhaut.

Am Sonntagmittag nach der Awardsparty ging es zum Flughafen in Kalmar.
Dort musste ich damit rechnen, dass mein Fahrradkoffer nicht mitgenommen wird, da es ein kleines Flugzeug war.
Via Stockholm reiste ich nach Kopenhagen, wo ich noch ganz wenig von der Stadt sah und beim Ironman noch zuschauen konnte.
Am Montagmorgen ging es in die Schweiz. Dort wartete ich einen späteren Flug von Stockholm ab, wo dann mein Fahrrad auch gut in Zürich ankam.