1. November 2009: Chris von Rohr: Die gr. Lehrer

« DIE GROSSEN LEHRER »

Danke an Chris von Rohr, dem Autor dieses Textes:
http://www.chrisvonrohr.ch/si_notabene.html

Die Kinder sind der Fortschritt selbst-
Vertraut dem Kinde.
(Novalis)



Tag für Tag gehen wir in diese Welt hinaus und tun das was wir tun müssen, oder glauben tun zu müssen. Einige von uns haben das Glück wirklich zu leben, viele werden einfach gelebt, sind in diesem Strom drinn, der nur in eine Richtung geht .Die so genannt zivilisierte, westliche Wohlstandsgesellschaft führte uns Schritt für Schritt weg von den natürlichen, einfachen, wirklich nährenden Freuden und Aufgaben dieses Lebens. Fast jeder will mehr. Mehr Material, mehr Statussymbole, mehr Zerstreuung, mehr Thrill, mehr Spass, mehr Alles, um die vielen seelischen Löcher zu füllen, die so aber nicht wirklich zu füllen sind. Wo das hinführt? Ich weiss es nicht. Was es jedoch meiner Meinung nach heute vor allem bräuchte, wäre Zeit. Mehr Zeit, und die nötige Ruhe, um wieder das Reich und die einfache Botschaft der Kinder zu entdecken. Ein wertvolles Gut das viele gar nicht mehr kennen. Leider. Für einige mag das wie utopisches, romantisches, unrealistisches Gesäusel tönen. Nennt mich einen Träumer, aber mich überzeugen einfach die gesegneten Gaben, die Phantasie, die Kreativität, die Unschuld, das Vertrauen und die Schönheiten der ungebrochenen Kinder mehr als alles was diese verrückte Welt zu bieten hat. Und ich habe ja nun bekanntlich schon manches gesehen, erlebt und gekostet.

Trotz den allgegenwärtigen Ignoranten und Zynikern, die Kinder vor allem als kleine Diktatoren sehen, findet langsam wieder eine verstärkte, differenzierte Thematisierung des „Kind-Themas“ in Filmen sowie Büchern statt. Endlich! Das Segensreichste, was Kindheit und Wachstum mit sich bringen, ist die arglose, in die Natur hinaus ergänzte und erweiterte Freudigkeit, deren schönes natürliches und tief andauerndes Ergebnis bei denen, die es nicht erlebt haben, bestenfalls nur durch philosophische Konstruktionen notdürftig ersetzt werden kann. Die stärksten und von mir meistbewunderten Menschen auf diesem Planeten sind Menschen, die den Kontakt zu ihrem inneren Kind pflegen, die humorvoll, neugierig, frei und herzoffen geblieben sind.



Auf den langen Spatziergängen mit meinem Grossvater haben wir oft darüber geredet. Er meinte: Als Kind hat jeder Mensch ein Sehnen nach einem grossen Glück, das ihm das Leben bringen soll, und nachher verlieren es leider die meisten, weil sie ihr Sehnen auf kleine Erfolge und Eitelkeiten einstellen, und lassen sich einreden, das grosse Glück, nach dem sie sich sehnten, sei eben nur ein Kindertraum gewesen, statt dass sie sich sagen, ich will es finden, nicht so, wie ich es mir als Kind gedacht, aber dennoch finden, so wie es sein muss. Das „Sein wie ein Kind“ hat mit dem äusserlichen Sichgeben nichts zu tun. Es ist ganz allgemein gesagt, eine Einfachkeit und Ursprünglichkeit des Denkens, Empfindens und Wollens, die wir uns wahren und immer wieder erwerben müssen, um nicht durch das, was von aussen auf uns wirkt, irre zu werden“. Heute weiss ich genau was er damit gemeint hat. Nur allzu schnell entfernen wir uns von diesem herzvollen, und zufriedenen im Moment sein, und werden durch dieses äusserliche Sinnlosgestresse zu entnervten Konsumkälbern, fern einer gesunden Balance. Ich erlebe es selbst immer wieder, wenn ich glaube das Aussen sei wichtiger als das Innen, die Zukunft wichtiger als das Jetzt. Es gibt dann neben der Musik nur zwei Dinge die mir helfen. Erstens, ein klares Abgrenzen meiner feineren Seite, das hören auf die innere Stimme, und zweitens das Erinnern zweier Meister, die mir zum Kinde die schönsten Worte die ich je gehört habe hinterlassen haben: „Die Kindheit ist ein Land, ganz unabhängig von allem. Das einzige Land, in dem es Könige gibt. Warum in die Verbannung gehen? Warum nicht älter und reifer werden in diesem Lande?...Wozu sich gewöhnen an all das , was andere glauben? Hat das etwa mehr Wahrheit, als das was man glaubt im ersten Kindervertrauen? Ich kann mich noch erinnern...da hatte jedes Ding einen besonderen Sinn, und es gab unzählbar viele Dinge. Und keines war mehr im Werte als ein anderes. Gerechtigkeit war über ihnen...Das war so, als ob man viel mehr davon wüsste als die Grossen“. Hab herzlichen Dank Rainer Maria Rilke, das sind nicht Träumereinen, sondern tiefe Wahrheiten und das führt mich direkt zum Buch der Bücher in dem da steht: Und er rief ein Kind herbei, stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Reich der Himmel kommen. Ja, meine lieben Leser daran glaube ich stärker denn je, und zwar hier im Jetzt auf Erden.