17. Januar 2010: Feinde zeigen Schwächen und bring

Folgender Ausschnitt ist von einem Buch (484 Tage bis ans Ende der Welt) von Eveline Binsack, welche eine grosse Expediton in die Antarctis gemacht hat:
Mit Feinden pflege ich meinen eigenen Umgang. Ob es de Berg ist, ein Tier oder ein Mensch. Ich bin überzeugt: Feinde sind unvermeidbar - und unverzichtbar, als Gegner, Rivalen und Spiegel der eigenen Schwächen. Es ist eine gute Fähigkeit, dem Feind Gehör zu schenken. Er ist ja in der gleichen Strukturen gefangen, von den gleichen Emotionen getrieben. In seinem Gesicht sehe ich meine eigene Fratze. Unwissenlich und unwillentlich gibt er manches preis, das sich nutzen lässt.
Deshalb liegt es mir daran, meinen Feind am Leben zu halten. Ich brauche ihn für den Wettkampf. Ohne ihn und die Zuwendung, die er mir schenkt, kann ich nicht gewinnen. Als Zeichen für diese Wertschätzung darf ich ihm sogar Ehre antun. Wie jeder Schweizer Schwinger im Ring, der seinem unterlegenen Rivalen das Sägemehl vom Rücken klopft, und wie jeder Sportler, seinem Bezwinger für seinen Sieg die Hand reicht, zolle ich meinem Feind Respekt. Ich sehe sie eher als Gegner, die mich nicht vernichten, sondern zu meiner wahren Grösse verhelfen. Je stärker der Feind, umso würdiger fordert er mich heraus, aus meinen Fehlern und seiner Stärke zu lernen. So gesehen ist der christliche Anspruch "Liebe deine Feinde" gar nicht so selbstlos. Wenn die Bibel empfiehlt, die andere Wange auch noch hinzuhalten, steckt dahinter die Erfahrung, dass der Schmerz und die Demütigung die Energie erzeugen, um über den Gegner und sich selbst hinauszuwachsen.